Tuesday, June 10, 2008

Mama, ich fliege [mother, I'm flying]

Ich werde den Tag nicht vergessen, an dem Julius lernt, ohne Stützräder Fahrrad zu fahren. Es ist ein Wochenende im Februar, strahlend blauer Himmel, Frühling liegt in der Luft. Und ich weiß: Heute ist der Tag. Ich überzeuge Julius von dem Vorhaben, montiere die Stützräder ab, stelle den Sattel niedrig, so dass er mit den Füßen bequem auf den Boden kommt. Wir laufen zum Kreisel gegenüber. In der ersten Runde laufe ich noch neben ihm her, dann sagt Julius "Mama, lass mich, ich kann das!" - und fährt einfach los.

Die halbe Nachbarschaft ist draußen, und Julius verkündet allen freudestrahlend "Look, the first time without training wheels!" (Zum ersten Mal ohne Stützräder!). Eine Runde nach der anderen dreht er, und in meinem Kopf klingt das Lied von John McCutcheon "Riding my bike". Genauso sieht Julius aus... "Mother I'm flying, come catch me, Dad. The most wonderful feeling I've ever had..." (Mama, ich fliege. Komm, fang mich, Papa. Das wunderbarste Gefühl, das ich jemals hatte). Mir stehen die Tränen in den Augen, vor Stolz und Freude, aber auch voll Wehmut, wie er so schnell so groß geworden ist.


Zum fünften Geburtstag im April bekommt er von Oma und Opa ein neues Fahrrad, ein "Schwinn" - altehrwürdige amerikanische Fahrradmarke. Im Mai ist "Bike Day" im Kindergarten, alle Kinder dürfen ihr Dreirad oder Fahrrad mitbringen. Julius ist der einzige mit Fahrrad ohne Stützräder, und ich bin echt stolz auf ihn. Nun müssen wir nur noch Vivian so weit bringen, dann kann es los gehen zur Fahrradtour. Bis dahin sitzt sie ganz bequem im Fahrradanhänger. Meistens fahren wir zum Park in unserer Nachbarschaft, aber jetzt im Sommer ist es einfach zu heiß. Freuen wir uns auf den nächsten Herbst.

"Riding My Bike" by John McCutcheon

This looks so easy, but this is so hard.
I practiced all summer out in my back yard.
Mom running before me, Dad right beside,
Watching me close with their arms open wide.

Mother, I'm flying. Come catch me, Dad.
The most wonderful feeling I've ever had.
I'm riding, I'm falling I'm falling, I'm riding
I'm falling, I'm riding my bike.

My friends all have fancy ones - ten, fifteen gears.
Mine is a Schwinn that my Mom's had for years.
With its big old fat tires, its ragged old seat,
I think it's the coolest bike out on our street.

Mother, I'm flying. Come catch me, Dad...

Tricycles, training wheels, tell them good-bye.
We just don't need them, my old bike and I.
Three wheels are too many, one is too few.
Now that I'm six I'll just get by on two.

Mother, I'm flying. Come catch me, Dad.
The most wonderful feeling I've ever had...

Saturday, June 7, 2008

Chefkoch Julius [chef Julius]


Meine beiden Jungs konnten es wohl gar nicht abwarten, bis ich wieder samstags Deutsch für Kinder bei der German-Texan Heritage Society in Austin unterrichte. Heute war es soweit: Start des Sommerprogramms. Während ich also aus dem Haus bin, tanzen meine Mäuse in der Küche.

[My boys have been waiting anxiously for the summer semester of the Samstagsschule in Austin to start, where I teach German for children on Saturday mornings. Today is the day: While I am gone, my little chefs declare the kitchen for themselves.]

Monsieur Julius, Chef de Cuisine





Erst werden ein oder zwei Kochsendungen im Fernsehen geguckt. Julius entscheidet, was heute auf dem Menü steht. Mit Einkaufsliste in der Hand und spitzbübischen Ideen im Kopf wird dann der HEB - unser texanischer Einkaufsmarkt - unsicher gemacht. Ich warte noch auf das Ladenverbot für unsere Familie wegen unsachgemäßen Gebrauchs der Einkaufswagen, unerlaubter Wasserspiele mit der Gemüsebesprenkelungsanlage oder was sie sonst noch anstellen.

[First, they watch their favorite cook shows on TV (Every Day Food, and America's Test Kitchen). Then they go shopping at HEB with the list in their hands and all kinds of mischief on their minds. No wonder the kids like shopping with Daddy better than with me. Hopefully, we won't be banned from the store one day...]

Zuhause wird dann geschnippelt, gerührt, gewogen, gemixt, gekocht, gebacken... Und es ist jedes Mal super lecker! Ich komme nach Hause und werde verwöhnt, wie zum Beispiel hier mit Schoko-Erdbeeren zum Muttertag.

[At home, they cut, mix, cook, bake... and their creations are always delicious! I come home to a pleasant surprise, like the chocolate-covered strawberries for Mother's Day.]

Julius ist stolz auf seine Creationen und möchte am liebsten alle die er kennt zum Essen einladen. Sobald mir meine zwei "Chefs" ihre Geheimrezepte verraten, werde ich sie hier veröffentlichen.



Vivian beim Qualitäts-Check. Schmeckt es so gut wie es aussieht?
[Quality check: Does it taste as good as it looks like?]





"America's Testkitchen" bestätigt: Sauer MACHT lustig!

Wednesday, June 4, 2008

Erster Ferientag [first day of summer]


Heute ist soweit: Der letzte Tag für Julius und Vivian mit ihren Kindergartengruppen. Nach dem Sommer kommt Julius in die Vorschule und Vivian offiziell in die "Preschool" mit den "großen" 3-5-Jährigen. Mit dicken Drückern hat sich Julius von seinen Freunden und Erzieherinnen verabschiedet.

Zuhause nichts wie in den Pool. Den Sommer in Texas genießt man am besten nass! Dann ist es eigentlich gar nicht so übel.

[Today is the last day for Julius and Vivian with their friends at school. After the summer, Julius will move on to Kindergarten and Vivian will be officially in preschool. Julius says good-bye to his friends and teachers with big hugs. At home, they jump right into our little pool.]

Sunday, June 1, 2008

Camping mit Papa [camping with daddy]

Um mir etwas Ruhe nach meiner OP zu geben, packt Markus den Camper und die Kinder ein und führt zum Lake Georgetown. Nach einem Tag ungewohnter Stille kann ich es nicht lassen nachzukommen. Markus macht die Arbeit und ich die Fotos.


[Markus takes the kids camping at Lake Georgetown to give me some rest after my surgery. After one day of piece and quiet, I cannot resist to go along as well. Markus does all the work, and I take some pictures.]


Vivian mit Giraffe Geoffrey, frisch gekämmt mit hundert Bürstenstrichen nach dem Schönheitsrezept von Tante Ella. Vivian zählt mit: "eins, zwei, drei, vier, fümf... ". Kämmen darf bei uns übrigens nur der Papa.


Zum ersten Mal machen wir mit den Kindern Stockbrot nach Pfadfinderart. Nur mit dem Feuer klappt es nicht so ganz. Das gekaufte Brennholz brennt einfach nicht! Und Holz sammeln ist verboten. "Papa, warum hälst Du es nicht über die Kerze. Die brennt doch!" Auch eine Idee. Am Ende wird es doch noch was mit dem Feuer, und das Brot schmeckt sogar ganz gut.

[For the first time, we make "bread on a stick" with the kids. This is what we do in Germany instead of roasting marshmellows for smores. If just the fire wood did burn... "Daddy, hold it over the candle!" Well, that's a thought. At last, the fire gets going and the bread turns out pretty good.]


















Unser großer Helfer beim Spülen... und Vivian beim Spielen. So sind alle glücklich.

Sunday, May 25, 2008

Liedtext [lyrics]

"Mein Apfelbäumchen" von Reinhard Mey

Julius hilft beim Pflanzen des Apfelbäumchens, das er zu seinem fünften Geburtstag bekommen hat.

[Julius helps planting the little apple tree that he got for his 5th birthday in April 2008.]

Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll,
So viel Gedanken, und mein Herz ist übervoll,
So viel Gefühle drängen sich zur selben Zeit:
Freude und Demut und Dankbarkeit.

Im Arm der Mutter, die dich schweigend hält,
Blinzelst du vorsichtig ins Licht der Welt,
In deinen ersten Morgen, und ich denk':
Dies ist mein Kind, welch ein Geschenk!

Wenn alle Hoffnungen verdorr'n,
Mit dir beginn' ich ganz von vorn,
Und Unerreichbares erreichen, ja ich kann's!
Du bist das Apfelbäumchen, das ich pflanz'!

Sieh dich um, nun bist du ein Teil der Welt,
Die sich selbst immerfort in Frage stellt,
Wo Menschen ihren Lebensraum zerstör'n,
Beharrlich jede Warnung überhör'n.

Ein Ort der Widersprüche, arm und reich,
Voll bittrer Not und Überfluss zugleich,
Ein Ort der Kriege, ein Ort voller Leid,
Wo Menschen nichts mehr fehlt, als Menschlichkeit!

Wenn alle Hoffnungen verdorr'n...

Du bist ein Licht in ungewisser Zeit,
Ein Ausweg aus der Ausweglosigkeit,
Wie ein Signal, den Weg weiterzugeh'n,
Herausforderung weiter zu besteh'n.

Wo vieles voller Zweifel, manches zum Verzweifeln ist,
Da macht ein Kind, dass du alle Zweifel vergißt.
Es sind in einer Welt, die ziel- und ratlos treibt,
Die Kinder doch die einz'ge Hoffnung, die uns bleibt!

Wenn alle Hoffnungen verdorr'n,
Mit dir beginn' ich ganz von vorn,
Und Unerreichbares erreichen, ja ich kann's!
Du bist das Apfelbäumchen, das ich pflanz'!


["My Little Apple Tree" by Reinhard Mey]

I don't quite know where to begin:
So many thoughts that my heart is filled to the brim;
So many feelings at the same time:
Joy, and humility, and thankfulness.

In the arms of your mother, who holds you silently,
Your eyes blink cautiously into the light of the day
Into your very first morning, and I say:
Yes, this is my child, what a gift from God!

When all hope has withered,
I will begin at the start - with you.
Even attain the unattainable - yes I can!
For you are the little apple tree that I plant.

Look around: now you are part of this world,
Which again and again puts itself into question.
A world where man is about to destroy his environment,
Never listening to any warning he gets.

A place of contradictions: rich and poor,
A place not only full of bitter misery,
But also full of superabundance;
A place of war, and a place of distress,
Where man needs nothing more than humanity.

When all hope has withered, ...

You are a light in uncertain times,
Some hope in times of hopelessness,
A signal which tells us to continue on our way,
And keep rising to the challenges.

In a time full of doubts, even close to despair,
A child makes us forget all those doubts.
In a world which just drifts along, at a loss, and without any destination,
children are the only hope that we have left!

When all hope has withered,
I will begin at the start - with you.
Even attain the unattainable - yes I can!
For you are the little apple tree that I plant.

Reinhard Mey - Mein Apfelbäumchen

Sunday, May 18, 2008

Premiere in New Braunfels

Der erste Ausflug mit unserem neuen Pop-up-Campinganhänger führt uns nach New Braunfels, gegründet von deutschen Einwanderern. Deutsche Namen wohin man sieht, und zwei Bäckereien mit "richtigem" Brot, womit wir uns sogleich eindecken.

[The first trip with our new pop-up camper brings us to New Braunfels with its German heritage. German names everywhere you look, and even bakeries where you can buy "real" bread!]

Zur größten Freude der Kinder ist unser Stellplatz mehr oder weniger unter der Eisenbrücke. Jeder Zug wird mit Winken und lautem Hallo begrüßt. Einige der Lokführer winken zurück. Da wir uns im Zentrum von New Braunfels befinden, macht jede Lok regen Gebrauch von ihrem Signalhorn. Und die Schranke am Bahnübergang stimmt in das Konzert mit ein. [Julius and Vivian greet every train that crosses the river right next to our campsite with waving and loud "hellos". Some engineers even wave back.]

Julius' Zeichnungen von der Eisenbahnbrücke und unserem Camper. Ich bin begeistert, wie toll er da macht, ganz allein und einfach so...

Am Nachmittag bricht Markus mit den Nachbarn und Freunden, die mitgekommen sind, zum Tubing auf: Man lässt sich auf Autoschläuchen den Fluss hinuntertreiben und irgendwo wieder einsammeln. Leider nichts für Kleine...



Also besuchen Julius, Vivian und ich mit Amanda das Kindermuseum von New Braunfels http://www.nbchildren.org/- super!


[While Markus and the others go on their tubing trip, Julius, Vivian, Amanda and I enjoy our visit at the Children's Museum of New Braunfels - what a great place!]


Deutsch-Texanisches Fachwerkhaus: mit Longhorn-Geweih über der Eingangstür und Schaukel auf der Veranda. [The German half-timbered house goes Texas...]




"Hilfe, ein echtes Longhorn!"
["Help, a real longhorn!"]


Unten: "Wer will fleißige Handwerker seh'n, der muss zu uns Kindern geh'n..." Julius und Vivian bringen erst mal die Hütte auf Vordermann.

Dann kommt der alte VW Käfer dran...



Vivian und Amanda fluten die Talsperre. Und Ingenieur Julius baut eine Wasser- leitung.


[Thank you, Amanda, for playing with Vivian and Julius. They had a great time!]

Bevor es nach Hause geht, ist die Fahrt mit der kleinen Eisenbahn im Park nebenan ein Muss. Wir schnacken mit dem Lokführer auf Deutsch und erfahren, wo in Texas die beste Bäckerei zu finden ist. Dadurch gerät der Fahrplan durcheinander, die erste Fahrt des Tages verspätet sich. Aber schließlich ist Sonntag, man hört Kirchengeläut und ein Glockenspiel im Ort. Ich finde, deutsche Gemütlichkeit ist da wichtiger als deutsche Pünktlichkeit.